Mit der Pünte über das Marscher Tief

Die neuen Radwege für den 3-Meere-Weg queren an zwei Stellen das Marscher Tief. Dafür wurden jedoch keine Brücken gebaut, sondern die Gewässerquerung erfolgt mit so genannten Pünten.

Beim Lückenschluss an der Hieve erfolgt die Querung des Marscher Tiefs ca. 150 m nördlich der Mündung in den Heikeschloot. Für den Lückenschluss in der Bedekaspeler Marsch wurde eine Verbindung zwischen dem Weg auf dem Leitdamm, am nördlichen Ende des Großen Meeres, und dem neuen Weg entlang des Marscher Tiefs hergestellt.

Eine Pünte, was ist das?

Pünten sind Selbstkurbelfähren, die wie stählerne Flöße mit Geländer aussehen. Es gab bereits vorher Beispiele für solche Pünten in der Region und zwar am Norder Tief und an der Holtlander Ehe. Nach diesen Vorbildern wurden auch die Pünten für den 3-Meere-Weg gebaut.

Sie bestehen aus einem ca. 4,0 m x 4,0 m großen Gitterrost auf einem Schwimmkörper. die seitlichen Geländer haben zwei nach innen schlagende Türen.

Wie jede Fähre braucht auch die Pünte Anlegestellen beiderseits des Gewässers. Für den 3-Meere-Weg wurden sie als Anlegebuchten so gebaut, dass die Pünte in Ruhe nicht über die Uferlinie hinaus ins Gewässer hineinragt. Entsprechend wurden ca. 4 m tief in das Land hineinragende, trichterförmige Buchten angelegt, die am schmalen landseitigen Ende etwa 4,3 m breit sind. Die Ufer der Anlegebuchten wurden auf allen drei Seiten mit Stahlträgern und Holzbohlen befestigt.

Wie wird sie angetrieben?

Kurz gesagt, durch die Muskelkraft der Nutzer. Und das geht folgendermaßen:

  • An jedem Ende der Pünte befindet sich eine Kurbelscheibe. Diese ist über eine Kette mit dem entsprechenden Ufer verbunden. Dreht man die Kurbelscheibe, bewegt sich die Pünte entlang der Kette.
  • Auch an den beiden Ufern befindet sich jeweils so eine Kurbelscheibe, die es erlaubt, die Pünte bei Bedarf vom anderen Ufer herüberzuholen.
  • Zusätzlich wird die Pünte an Stahlseilen geführt, damit sie durch Strömung und Wind nicht zu stark abgetrieben werden kann.

Mit den Pünten am 3-Meere-Weg ist es wie mit vielen anderen neuen Einrichtungen, sie haben ein paar "Kinderkrankheiten" und technische Probleme, die durch eine ständige Optimierung der Anlagen behoben werden. Aber auch als Nutzer können Sie zu einem reibungslosen Ablauf beitragen, in dem sie die Betriebsanleitung beachten, denn auch Bedienungsfehler können zu Betriebsstörungen führen.

Hier die wichtigsten Hinweise zur Bedienung der Pünten

  • Jede Pünte hat zwei Kurbelscheiben/Handräder zum Antrieb der Fähre (siehe Foto). Benutzen Sie bitte immer nur die Kurbel, die sich an der in Fahrtrichtung liegenden Seite der Pünte befindet.
  • In den Anlegebuchten wird die Pünte durch einen Mechanismus verankert, den Sie bei Fahrtantritt zunächst lösen müssen. Ziehen Sie dazu an dem entsprechend gekennzeichneten Hebel (siehe Foto) und betätigen gleichzeitig die Kurbelscheibe.
  • Liegt die Pünte am gegenüberliegenden Ufer, dann können Sie sie mit der Antriebskurbel auf Ihrer Seite herüberholen. Zum Lösen aus der Verankerung müssen Sie mit dem Handrand kräftig an der Kette ziehen.
  • Sind andere Nutzer mit der Pünte unterwegs, benutzen Sie bitte keinesfalls die landseitigen Handräder. Sie können die Überfahrt nicht unterstützen oder beschleunigen. Die gleichzeitige Nutzung der Kurbel auf der Pünte und an der Anlegestelle verursacht Betriebsstörungen!
  • Achten Sie darauf, dass die Pünte beim Anlegen wieder richtig in den Verankerungsmechanismus einrastet, damit es weder beim Verlassen oder Betreten der Fähre noch durch ihr Abtreiben zu Unfällen kommt.
  • Und bitte beachten Sie die Betriebszeiten der Pünte (8.00 - 20.00 Uhr).

Sie fragen sich, warum die Pünten nur bis 20.00 Uhr genutzt werden sollen? Sie dürfen aus Gründen der Verkehrssicherheit ohnehin nur bei Tag und nicht in der Dunkelheit betrieben werden. Im Hochsommer ist es zwar deutlich länger hell, aber mit Rücksicht auf die Anwohner beginnt die "abendliche Ruhezeit" bereits vor Sonnenuntergang. Das ist für manchen Nutzer, der noch eine abendliche Tour machen möchte, sicher bedauerlich. Aber bedenken Sie bitte, dass der 3-Meere-Weg an der Hieve über einen Privatweg verläuft. Die Anwohner stellen ihn freundlicherweise für den 3-Meere-Weg zur Verfügung - unter der Bedingung, dass am Abend wieder Ruhe einkehrt.

Vertragen die Pünten sich mit dem Wassersport auf dem Marscher Tief?

Sie sind "nur" ein weiterer Verkehrsteilnehmer auf dem Wasser und so geplant, dass sie den Wassersport so wenig wie möglich behindern:

  • Antriebsketten und Führungsseil sind kein Hindernis für die Bootsfahrer, da sie sich aufgrund ihres Eigengewichtes bereits in kurzer Entfernung vor und hinter der Pünte auf dem Gewässerbooden ablegen.
  • In Ruhe liegen die Pünten außerhalb des Fahrwassers in der Anlegebucht, ein Verriegelungsmechanismus sichert sie dort gegen Abtreiben.

Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Nutzer an gewisse Regeln halten:

  • Die Pünte darf das Gewässer nur bei freier Sicht überqueren, nicht bei Dunkelheit oder bei Nebel.
  • Bevor Sie mit der Pünte das Gewässer überqueren, müssen Sie sich vergewissert haben, dass der übrige Bootsverkehr eine gefahrlose Überfahrt zulässt und andere Boote nicht gezwungen werden, unvermittelt ihren Kurs oder ihre Geschwindigkeit zu ändern. Bitte bedenken Sie dabei, dass man auf dem Wasser nicht so einfach bremsen kann wie auf der Straße.
  • Die Pünte darf sich nicht länger im Fahrwasser aufhalten, als es die Überquerung erfordert.
  • Solange die Pünte nicht in Betrieb ist, muss sie den Liegeplatz einnehmen, damit der Bootsverkehr auf dem Gewässer nicht unnötig behindert oder gefährdet wird.

Es gibt zusätzliche Maßnahmen zur Verkehrssicherung

  • Jede Pünte ist mit einem Horn, einer Fahnenstange und Schildern mit einem "F" ausgerüstet.
  • Die Bootsfahrer auf den Gewässern werden rechtzeitig durch entsprechende Schilder auf die nicht frei fahrende Fähre hingewiesen.
  • Im Bereich der Anlegebuchten wird das Ankern untersagt.

Für den Lückenschluss an der Hieve wurde im Abstimmungsprozess eine möglichst unproblematische Stelle für die Püntenquerung ausgewählt. Kritischer ist die Püntenstrecke für den Lückenschluss in der Bedekaspeler Marsch. Hier muss nicht nur das Marscher Tief gequert werden, sondern es kommt auch noch die Mündung der Wiegboldsburer Riede ins Große Meer hinzu. Alle drei Gewässer werden von Booten befahren, dabei sind je nach Fahrtziel Richtungswechsel erforderlich. Zusätzlich soll in diesem Bereich auch noch eine Stauanlage für das neue Wassermanagement errichtet werden.

Daher wurden bzw. werden hier weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit ergriffen:

  • Die Nordspitze der Röhrichtinsel zwischen Marscher Tief und Großem Meer (siehe Luftbild) behinderte die Sicht zwischen den Gewässern. Hier hatte sich auf dem randlichen Wall der Japanische Staudenknöterich ausgebreitet, der die heimischen Pflanzen überwucherte und verdrängte.
  • Der Gehölzaufwuchs und der anstehende Boden wurden bis zur Wasserlinie, im äußersten Norden sogar bis zum Gewässergrund abgetragen. Auf diese Weise wurde die per Pünte zu überwindende Strecke verkürzt und gleichzeitig die Sicht zwischen den Gewässern verbessert. Außerdem kann sich so auch wieder eine typische Ufervegetation aus heimischen Pflanzen entwickeln.
  • Vor dem neuen Gewässerrand an der Nordspitze wurden hölzerne Abweiser errichtet, die verhindern sollen, dass die Pünte auf Grund läuft. Auf diese Weise werden die Pünten-Nutzer auch daran gehindert, auf der Röhrichtinsel einen "Zwischenstopp" einzulegen und dabei die Vegetation zu zerstören oder die Tiere zu beunruhigen.
  • Spätestens beim Bau der geplanten Stauanlage wird der noch auf der Nordspitze lagernde Boden in südliche Richtung verlagert und zu einem neuen Wall aufgebaut, der die Stauanlage mit dem Wall entlang des Marscher tiefs verbindet. Auf diese Weise wird die für das neue Wassermanagement erforderliche vollständige Verwallung des Großen Meeres gewährleistet.

Warum Pünten und keine Brücken?

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Wollte man Brücken über das Marscher Tief bauen, dann müssten sie entweder sehr hoch oder aber klappbar sein, um weiterhin den Bootsverkehr auch mit Segelbooten zu gewährleisten. Solche Brücken würden nicht nur erhebliche Kosten verursachen, sondern sich in der Landschaft auch deutlich bemerkbar machen. Die Pünten sind dagegen unauffällig und verändern das Landschaftsbild kaum.
  • Die Pünten sind außerdem eine zusätzliche Attraktion für den 3-Meere-Weg. Sie bieten den Radfahrern, Wanderern und Spaziergängern ein besonderes Naturerlebnis. Sie integrieren ein Stückchen Wassersport in den Rundweg.
  • Sie sind außerdem ein Instrument der Besucherlenkung. Beide Lückenschlüsse sind in Bereichen vorgesehen, die für Rastvögel von Bedeutung sind. Daher werden die Pünten im Winter vom 16. Oktober bis zum 14. April, wenn wenig Besucher und viele Rastvögel am Großen Meer sind, stillgelegt. Auf diese Weise wird die Störung im EU-Vogelschutzgebiet so gering wie möglich gehalten. Natürlich werden die Nutzer des 3-Meere-Weges so rechtzeitig durch Hinweisschilder auf die Betriebszeiten hingewiesen, dass sie auf andere Wege ausweichen können.

Die beiden Pünten einschließlich der dafür erforderlichen Anlegebuchten wurden mit Hilfe von Fördermitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) nach der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung des Natur erlebens sowie der nachhaltigen Entwicklung in Modellregionen insbesondere im Zusammenhang mit Natura 2000 gebaut und Ende April 2009 in Betrieb genommen.

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